Corsa, Fiesta und Aygo … und eine Entscheidung

Es ist die Zeit der Abwrackprämie und wer kommt nicht auch auf die Idee, sein altes Auto durch ein neues Auto zu ersetzen. Wir auch – schon seit Monaten, aber nun ist es in der letzten Woche konkreter geworden und verschiedene Probefahrten wurden unternommen.

Zuerst muss man einmal sagen, dass Probefahren von kleineren Autos nicht einfach ist. Die Autohäuser haben nur noch einzelne kleine Autos als Vorführwagen vor Ort. Ein kleineres Auto sollte es werden, denn unser Mondeo ist und sollte gross genug sein.

Wir haben einen 1997-Corsa (eigentlich viel zu gut für eine Abwrackprämie – aber € 2500 bekommt man halt nicht mehr dafür) und daher ging der erste Gang – nach mehreren internen Diskussionen, ob man überhaupt in dieser Situation einen Opel kaufen sollte – zu Opel. Vorführwagen keine, aber ich könnte ja einen gebrauchten Corsa fahren: 1.3 CDTI mit fünf Türen. Fazit: Nettes Auto, solide ohne Probleme – wenn, ja wenn da nicht der doch recht bescheidene Blick nach hinten wäre. Man hat das Gefühl, dass die Autohersteller alle hinteren Fenstern lieber zu einem Bullauge verkleinern möchten. Also ohne Parkhilfe finde ich das ziemlich mühsam.

Nach dem Corsa dann der Fiesta: doch diesmal mit drei Türen. Noch weniger Durchblick nach hinten – aber erst später erkannte ich, dass der bessere Durchblick beim Corsa an den fünf Türen lag. Zurück zum Fiesta: genauso solide wie der Corsa. Eigentlich kein Unterschied – bzw. der Unterschiede sind Geschmacksache. Eventuell gefiel mir die Idee des doppelten Bodens (im Gepäckraum) beim Corsa besser.

Irgendwie sprang der Funke nicht rüber. Alles gute Autos, alles sieht perfekt aus, alles fährt perfekt. Aber irgendwie belügen die Prospekte einen an. Diese zeigen jüngere Leute, lachend und feiernd – aber immer mit diesen – eigentlich – altbackend wirkenden Autos. Warum sitzen alle diese jungen Leute in diesen Autos, die doch eigentlich eher der deutschen Absicherung entsprechen.

Dann gab es noch eine Probefahrt in einem Aygo. Vorführwagen gab es nicht, aber ein Leihwagen stand zur Verfügung. Probetour nicht länger als eine 1/2 Stunde. Grummel. Aber was solls. Ich fuhr los und holte die Kinder ab. Die 3.48m sollten mal praktisch ausgenutzt werden.

Fazit: der Aygo ist ein klares Stadtauto – ein Auto, dass man entweder als billig empfindet (und das fällt nicht schwer) oder als cool empfindet (dafür bin ich zu alt). Aber darin liegt der gewaltige Unterschied zum Corsa und Fiesta. Der Aygo ist ein Stadtauto und das macht er gut, sehr gut sogar. Er erfüllt diese Aufgabe. Corsa und Fiesta wollen alles erfüllen und das kann nicht gelingen. Der Spass dort wird über Komfort definiert. Der Spass beim Aygo mit den Gefühlen: Der Sound ist kernig, beschleunigen kann er – den Umständen entsprechend – gut. Die beiden Kinder passten hinten rein und die Ausstellfenster waren – aus der Sicht der Kinder – der Hit. Mein Hinweis, dass ein Opel Kadett dies bereits vor 20 Jahre hatte ….

Das Fahren mit dem Aygo hat Spass gemacht, er ist wendig, man braucht keine Parkhilfe – aber leider war der Kofferraum mit zwei Schulranzen und einem Rucksack voll. Aber mit Klimaanlage und noch einigen Extras liegt das Teil dann auch bei 13000 EURO.

Fazit: Einen Aygo haben wir uns nicht gekauft, aber es war die Probefahrt, die Spass gemacht hat. Die Kinder werden groesser, zur Arbeit muss gependelt werden – eventuell längere Strecken und dann muss man wieder die “soliden” Autos kaufen.

Der Corsa und Fiesta ballern sich mit Elektronik zu – auch in der eigentliche Fahrgastzelle. Türheber hier und dort, Automatiken hier und dort, Sitzheizungen, Spracherkennung. Bei letzterem habe ich mich natürlich gefragt, warum ich dem Computer die Radiofrequenz des Senders sagen muss (wer weiss die eigentlich). Wäre es nicht besser, wenn man sagen könnte “NDR Info” ? Na ja, die Entwickler müssen da noch ihre Hausaufgaben machen.

Die Frontscheiben werden immer gößer und flacher, die Hitzeeinwirkungen werden immer stärker. Ablageflächen werden kleiner, aber das Armaturenbrett wächst immer stärker in die Fahrgastzelle rein. Die Autos werden auch immer länger. Aus 3.60m beim CorsaB wurden 3.99m beim CorsaD – viel mehr Platz gibt es aber auch beim Corsa D nicht.

Die Wagen werden schwerer – verbrauchen aber auch nicht weniger (der Corsa B verbraucht soviel wie der Corsa D). So gesehen ein Erfolg, aber absolut gesehen wiederum nicht. Ich glaube daher, dass bei den Benzinern irgendwie das Ende der Spritersparnis erreicht ist. Die Autos müssen wieder leichter und kleiner werden – dann kann man wieder etwas gewinnen. Der Diesel ist besser, aber auch hier ist ein Ende in Sicht – und das liegt halt an der prinzipiellen Entwicklung der Autos.

Außerdem fällt mir auf, dass die “deutschen” Hersteller sich schwertun bei all diesen neuen Ökorichtlinien. Man macht gerade das, was absolut notwendig ist. EURO 5 – da sucht man ! 120g/km CO2 ? Wenn es denn unbedingt sein muss – und was ist mit den 110g/km CO2 ab 2011/2012 ? Der Aygo packt das – aber deutsche Hersteller tun sich da schwer. Corsa mit CO2-Modell (zumindestens kostenfrei), Fiesta mit Diesel. Man scheint es also nur mit dem Diesel noch zu schaffen, die schweren Autos so zu bewegen, dass man diese Richtlinien gut einhalten kann.

Und das in den Prospekten von Opel die Firma Opel als “deutscher” Hersteller beschrieben wird – na ja, das lassen wir mal so stehen. Übrigens weder der Fiesta, der Corsa und der Aygo werden in Deutschland hergestellt. Fiesta und Aygo in Tschechien, Corsa in Portugal ? Somit kann ich die Kritik an der Abwrackprämie verstehen. Die “deutschen” Autohäusern (ausser VW) profitieren nicht umbedingt davon, aber man darf auch nicht all die deutschen Händler vergessen.

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